Denkanstöße 

Ein Kommentar von Dr. Reinhard K. Sprenger

Hier leidet niemand

Wenn Männer nur wegen des Mannseins befördert werden ist das inakzeptabel. Die Forderung, per Quote Frauen nun gleichermaßen den Aufstieg aufgrund ihres Frauseins zu „garantieren“, ist jedoch nicht nur nicht zielführend, sondern schadet den Frauen letzten Endes mehr, als dass es ihnen hilft.

Ich habe noch keine einzige weibliche Führungskraft getroffen, die die Quote für sich in Anspruch nehmen wollte. Wohlgemerkt: für sich persönlich. Niemand sieht sich selbst als bloßer Repräsentant einer Fördergruppe innerhalb eines übergeordneten Wohlfahrtskonzeptes. Die Quote wird sogar als Diskriminierung der eigenen Leistung erlebt. Wenn dennoch etliche weibliche Managerinnen die Quote befürworten, wohlgemerkt: im Allgemeinen, dann ist die Abwertung unübersehbar: Die Quotenfrauen, das sind immer die anderen.

Man könnte ja noch verstehen, wenn eine Politik des gehobenen Zeigefingers sich um den Frauenanteil an der Spitze staatseigener Unternehmen kümmerte. Aber seit wann ist Personalauswahl in der Privatwirtschaft Sache des Staates? Im Kern artikuliert sich in der Diskussion um die Frauenquote eine tief sitzende Respektlosigkeit gegenüber der Selbstbestimmung der Bürger. Wenn Frau Schröder sagt, sie „erwarte“ von der Wirtschaft rasche Besserung, dann ist ihr zu antworten: „Moment mal, wer hat hier was von wem zu erwarten?“ Bislang werden Ministergehälter immer noch vom Bürger bezahlt.

Das ist der eigentliche Skandal: Dass sich die Bürger diese Respektlosigkeit bieten lassen. Dass sie nicht aufschreien, wenn der Staat sich einen Erziehungsauftrag anmaßt und seinen Begradigungswillen oktroyiert. Oder empfinden die Bürger das gar nicht mehr als Respektlosigkeit? Sind sie mittlerweile so abgestumpft gegenüber den Zudringlichkeiten der Menschenveränderer, dass sie nur noch müde abwinken? Und jetzt überall die liebdienerischen Manager, die, eingeladen zu irgendwelchen Quotengipfeln, sich der politischen Korrektheit beugen. Niemand steht da auf und sagt: Das Ganze ist politisches Nebelwerfen, wirtschaftlich irrelevant und freiheitsfeindlich.

Denn: hier leidet niemand! Nur die Ungleichheitsgequälten. Die bauen sich einen Popanz und schlagen effektvoll auf ihn ein. Dazu maßen sie sich an, im Interesse einer diskriminierten Minderheit zu sprechen, ohne von ihr ermächtigt worden zu sein. Die Opfer-Fiktion aufrecht zu erhalten ist aber Teil der Aufmerksamkeits-Erzeugung. Wie auch beim Windhundrennen jagen die edlen Tiere einem fiktiven Hasen hinterher. Diese Rennen finden auf einer Bahn statt, dessen Name dem Französischen entlehnt ist: carrière.

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Impulse Mai 2012

 Denkanstöße von Reinhard K. Sprenger

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